Pfarren Enzersfeld und Klein-Engersdorf

 

Pfarre Enzersfeld
Pfarrre Klein-Engersdorf
Kirchplatz 1
2202 Enzersfeld
 

 

 
"Als Christen sind wir keine Einzelgänger"
Nachprimiz von Herrn Markus Grasl CanReg aus dem Stift Reichersberg

Der Neupriester Herr Markus Grasl CanReg feierte am 29.8.2010 in Maria Geburt Enzersfeld seine Nachprimiz. Primiz ist eine Abkürzung für "prima missa", erste Hl. Messe an einem bestimmten Ort. Es ist ein alter Brauch, dass Neupriester gleich am Sonntag nach ihrer Weihe die Heimatprimiz in ihrer Heimatpfarre feiern. Dann werden sie in andere Pfarren eingeladen, um Nachprimizen zu halten. Der Segen eines Neupriesters, der Primizsegen, genießt seit alters her im Volk hohe Wertschätzung. Es wird das Sprichwort überliefert: "Für einen Primizsegen soll man sich sogar die Schuhsohlen durchlaufen", was besagen will, dass Gäste von weither zu Primizmessen anreisen.

Enzersfeld bereitete Herrn Markus, der Studienkollege von Pater Sebastian ist, einen herzlichen Empfang. Herr Markus ist Augustiner Chorherr im Stift Reichersberg in Oberösterreich und stammt aus dem niederösterreichischen Pitten, das neben anderen Ortschaften in der Umgebung seit Jahrhunderten vom Stift Reichersberg betreut wird. Er wurde am Ostermontag vom Kärtner Diözesanbischof Alois Schwarz in Reichersberg zum Priester geweiht und hielt seine Heimatprimiz in Pitten. Eine große Schar von begrüßten ihn in Enzersfeld und halfen bei der hl. Messe, Magdalena Salomon widmete ihm ein Primizgedicht, Johannes Steiner überreichte Blumen.

"Hochwürdiger Herr Markus

 Wir freuen uns, dass Sie gekommen sind,
den Segen zu spenden einem jeden Kind.
Sie sind Primiziant aus unserem Land
und wirken, das ist uns bekannt,
im Chorherrenstift zu Reichersberg.
Gott zu ehren und den Menschen zu dienen
haben Sie sich entschlossen, das Evangelium zu künden.
Die Auferstehung ist unsere Kraft, die Heilige Messe uns Hoffnung schafft.
Wir danken und bitten um Ihr Gebet.
Gott möge Sie segnen auf Ihrem Weg."

Anschließend an die Hl. Messe spendete Herr Markus den allgemeinen und den Einzelprimizsegen in Enzersfeld und in St. Veit Klein-Engersdorf. Beim Sommerpfarrcafé in Enzersfeld nützte er die Gelegenheit, um mit den Enzersfeldern und Königsbrunnern ins Gespräch zu kommen

Seine Primizpredigt:

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Pfarrgemeinde von Enzersfeld!

Was macht uns Christen aus? Durch die Taufe und gestärkt durch Firmung und Eucharistie sind wir berufen unseren Glauben in die Welt zu tragen und mit dem Licht von Ostern zu erhellen. In der Osternacht haben wir das erfahren, was es heißt, wenn das Licht das Dunkel vertreibt. Aber nicht nur das, wir werden dabei selbst ins Licht gesetzt und werden Träger des Lichtes. Lichtblicke sollen wir sein in dieser Welt.

Und was mich dabei fasziniert: Das Licht wird nicht weniger – sondern mehr. Normalerweise ist es ja so, dass wenn wir etwas hergeben, es weniger wird. Beim Licht ist das nicht so. Da bringt teilen Freude, Orientierung und Wegweisung. Der sonntägliche Gottesdienst möchte Tankstelle für unser Leben sein. Man kann nur das geben, was man selber empfangen hat: Vergebung, Versöhnung, Gemeinschaft, Danksagung – eben Eucharistie. Es tut gut zu wissen, dass hier alles Platz hat: Alles, was das Leben schwer oder gar unerträglich macht, alle Fragen und Zweifel, alle Hoffnung und Sehnsucht. Die Gemeinschaft in der Feier ist an sich schon eine Stärkung. So wie wir heute da sind.

Wir sind keine Einzelkämpfer! Wir leben aus der Verbindung mit dem auferstandenen Herrn. Nur durch ihn und mit ihm können wir Frucht bringen und so fruchtbar sein für andere. Unser Glaube ist nie Selbstzweck. Er richtet sich wesentlich auf das DU. Der jüdische Theologe Martin Buber hat das so ausgedrückt: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ Deshalb ist unser Glaube nicht Privatsache, sondern er wird spürbar in Gemeinschaft, Gesellschaft und Kirche. Wir verbinden unser Gebet heute auch mit der Bitte um geistliche Berufungen. Das ist eine Herausforderung für unsere Pfarrgemeinden. Durch die Taufe sind wir alle berufen unseren Glauben konkret werden zu lassen. Und auf den Priester bezogen:

Können junge Menschen, Jugendliche heute bei uns erkennen, dass der Priester tatsächlich gebraucht wird? Wann brauchen wir ihn wirklich noch und wozu auch? Wir beklagen zwar, dass wir nicht genügend Priester haben, gleichzeitig ist aber das Klima für einen geistlichen Beruf nur allzu rau geworden. Die Frage entscheidet sich letztlich im konkreten Lebensvollzug der Pfarrgemeinden, hier und jetzt.

Pfarrgemeinde das ist nicht der Pfarrer, der Messner allein, Pfarrgemeinde das sind Sie, das bin ich, du, jeder von uns. Und was erwarten wir uns vom Priester? Na hoffentlich nicht mehr, als von uns selbst.

Liebe Schwestern und Brüder! Auf meinem Primizbild ist zu lesen: „Wir wollen ja nicht Herren über euren Glauben sein, sondern wir sind Helfer zu eurer Freude; denn im Glauben seid ihr fest verwurzelt.“ (2 Kor 1,24) Als Priester verstehe ich mich als Wegweiser, als Helfer auf unserem gemeinsamen Pilgerweg. Ich darf Werkzeug sein unseres barmherzigen und liebenden Gottes, der uns alle mit Namen kennt, wie der gute Hirt. Unser Ordensvater, der Heilige Augustinus, hat das in einem prägnanten Satz formuliert: „Priester bin ich für euch, Christ bin ich mit euch“ – und ich möchte hinzufügen: ....und Mensch bleibe ich trotzdem, mit allen Kanten und Ecken. Amen.

S.Exz. Bischof Alois Schwarz und Herr Markus Grasl CanReg
in Reichersberg nach der Priesterweihe